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“Schutz der Landschaft sichert Zukunft”

Wird unsere einmalige Landschaft unter Wert verbraucht, verkauft, verbaut?
 
Anmerkungen zu einem beeindruckenden Vortrag “Schutz der Landschaft sichert Zukunft” von Prof. Dr. Hubert Weiger (Vorsitzender des Bund Naturschutz Bayern)
im Barocksaal des Klosters Tegernsee

Dass wir die Wertschätzung unseres Lebensraumes dringend wieder neu entdecken müssen und dass dies nichts mit romantischer Schwärmerei zu tun hat, machte Prof. Weiger einer großen Zuhörerschaft deutlich. Auf Einladung der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal. Mehrfacher Zwischenapplaus spricht für die Überzeugungskraft seiner sachlich, aber auch emotional vorgetragenen Argumente. Besonders aufrüttelnd ist die Erkenntnis: Die bisher schon geschaffenen Verhältnisse sind nicht wieder umkehrbar.
 
Nirgends wird so viel Grünfläche verbaut wie in Bayern. 18 Hektar sind es täglich - und in Deutschland gar bis zu 80 Hektar, obwohl einmal vereinbart war, dass es nicht mehr als 30 Hektar werden sollten. Eine der vielen zwangsläufigen Folgen machte Weiger am Beispiel der Deutschen Bahn fest: Sie trennt sich weitgehend von ihrem Grund- und Immobilien-Besitz neben dem Streckennetz und macht es zu Geld. Das langfristige Problem: Wenn wir uns eines Tages darauf besinnen, den Güterverkehr sinnvoll wieder mehr auf die Schiene zu verlagern, wird der Platz fehlen für die dazu notwendige Infrastruktur und Logistik. Alles unwiderruflich verbaut.
 
Was nützt es uns, dass wir auf den 7 % wertvollsten Flächen der Erde leben? Dank der Eiszeit, die uns diese Bodenqualität bescherte. Im fast brutalen Kontrast dazu war auf Luftaufnahmen einiger Einkaufzentren und Möbelhäusern “auf der grünen Wiese” zu sehen, dass die Parkplatz-Flächen mehr Anteile hatten als die Bausubstanz! Da ist die Wiese nicht mehr grün, sondern versiegelt.


Im Landschaftsschutz oder nicht? Oder nur zur Hälfte? Um das ca. 41.000 m² Dürnbach-Feld (westl. von Dürnbach in freier Landschaft gelegen) gibt es kontroverse Ansichten und heftige Diskussionen. Seit man weiß, dass die Gemeinde Gmund mit neuem Flächennutzungs-Plan ein Wohngebiet machen will. Unstrittig ist allerdings, dass zumindest noch die Hälfte im Landschaftsschutz-Gebiet liegt.


 
“Kannibalismus” im Ansiedlungs-Wettstreit der Kommunen?
 Verständlichweise bevorzugen Industrie, Gewerbe und Handel solche Ansiedlungs-Flächen, die in Autobahn-Nähe oder Bundesstraßen-Knotenpunkten liegen. Das bietet logistische Vorteile, nimmt aber auf die Eigenheit der dortigen Landschaft und die Qualität unseres Lebensraumes wenig Rücksicht. Viele Kommunen und Bürgermeister sehen das gern unter dem Aspekt der Grunderwerbs- und Gewerbe-Steuer, der Anziehungskraft für auswärtiges Publikum, vielleicht wohnortnaher Arbeitsplätze (die aber ebenso gut von auswärts besetzt werden können). Deshalb gibt es in dieser Sache wenig Kommunal-Verbund, beklagt Weiger: Die meisten Bürgermeister agieren nach einem “Hilfst Du mir bei meinem Industrie-Gebiet, helf’ ich Dir bei Deinem”. Oder sie liefern sich im Anbieten von Standort-Vorteilen einen “kannibalistischen” Wettbewerb. Und so wird einfach weiter verbaut.
 
Die aktuelle Wert-Entwicklung der schönsten Landschafts-Teile sagt nicht über den eigentlichen Wert!
Der Trend zu einer Geldwert-Sicherung durch schönst-gelegene Immobilien treibt deren Preis und die der Grundstücke in schon erschreckende Höhen. Im Landkreis Miesbach gibt es statt 8 Maklern im Jahre 1980 heute an die 90  – davon auch international tätige. “Das Tal ist voll” stellt Weiger fest. Kein Wunder, wenn z.B. auch kleinere landwirtschaftliche Betriebe der Versuchung hoher Finanz-Angebote erliegen – oder auch Erbengemeinschaften z.B. von alten Villen. Mit fatalen Folgen: Der hohe Einkaufspreis zwingt dann die Investoren, das Höchstmögliche an Bebauung und an Verkaufs-Erlösen wieder herauszuholen.
 
Das Preis-Gefüge ergibt sich aus überhöhter Nachfrage und dem knappen Angebot. Für Tal-Bürger wohl niemals erschwinglich oder real nachzuvollziehen..Was aber, wenn die Nachfrage – besonders auch international - einmal ausbleibt? Zum Beispiel in Folge der EU-Sanktionen gegen Russland? Was passiert, wenn wir das Gleiche wie bei der unseligen Milch-Überschuss-Produktion erleben, die Funktionäre und Politiker locker und elegant über weltweite Exporte auszugleichen beschlossen. Bis das Preis-Gefüge durch die ausbleibende Nachfrage in den wichtigsten Exportländern eben dramatisch zusammenbrach. Dass man eigentlich “vorausschauend” in eine solche Krise geriet, trifft nun besonders die landwirtschaftlich verbundenen kleineren Milchbauern.
 
“Wehret den Anfängen” heißt es gern. Aber die Anfänge im Verkauf unserer Kultur-Landschaft haben wir bereits weit hinter uns: Durch Landschafts-Verbrauch, Nichtachtung vor dem Landschaftsschutz, vor dem Naturschutz und vor den Werten einer schön gewachsenen Tradition.  Mehr noch als mit Unterschriften-Listen gegen anzuprangernde Projekte sollten wir Bürger Flagge zeigen. Prof. Weiger rät, persönliche Briefe zu schreiben: An Minister, Landräte, Bürgermeister, an Kommunalvertreter. Diese Briefe werden zwar nicht oder nur teilweise gelesen, sagt er, aber sie beeindrucken durch ihre Vielzahl. Ebenso wie bei öffentlichen Protest-Aktionen und –Demonstrationen, wenn sie von möglichst vielen Teilnehmern getragen werden. Unsere Heimat und ihre Landschaft sollten es uns wert sein (da gab es viel Schluss-Applaus).
 
Hans Jürgen Menge



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